Der soziale Hintergrund


Als ein weiteres Beispiel einer unendlich langen Liste von Hilfsmaßnahmen sei die Aktion
"Neusser Schützen helfen Pskow" erwähnt, die unter anderem die Begründung der heute noch existierenden Suppenküche in der Neusser Partnerstadt beinhaltet.

Aus welchen Bevölkerungskreisen kamen denn nun die Mitglieder der Schützenvereine und -korps ?

Die tragende Schicht bildete anfangs das Bürgertum mit dem Adel und Wohlhabenden als Förderern.
Zunächst war die Schicht der Unternehmer, Fabrikanten etc. kaum in den Vereinen zu finden, es sei denn in den Vorständen oder als Ehrenmitglieder und Protektoren.
Hatte sich das Bürgertum nach der mittelalterlichen Definition des Bürgerrechts bis 1815 noch stark auf die Sohl- und Hausstättenbesitzer beschränkt, setzte es sich bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts vorwiegend aus den in der Steinschen Städteordnung definierten Bürgern zusammen.
Ab 1830 kamen dann auch die Söhne der Bürger und vor allem Beamte und später Angestellte hinzu. Vom Grundsatz her darf man als wesentliches Merkmal festhalten, daß die ordentlichen Vereinsmitglieder frei über sich und ihr Gut verfügen konnten. Auf dem Lande zählen die bäuerlichen Schichten dazu. Zunächst blieben Gesellen, Diener und Knechte außen vor, konnten aber als außerordentliche Mitglieder oder Festgenossen am Festgeschehen teilnehmen. Ihr vollberechtigter Zugang entwickelt sich erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Im folgenden Kapitel wird deutlich werden, daß anfangs für sogenannte Untergebene sogar ein Verbot des Besitzes von Waffen bestand. Die anfängliche Zusammensetzung der Schützenvereinsmitglieder hat sich also in den letzten 100 Jahren maßgeblich verändert. Stand und Herkunft eines Schützen ist heutzutage nicht mehr ausschlaggebend.

Gerade im Neusser Schützenwesen ist man besonders stolz darauf, daß hier der Chef neben dem Mitarbeiter dem Verein angehört und weder eine untergeordnete Stellung noch eine leitende Funktion ein Hemmnis dafür ist, in Zug oder Korps mitzumachen.